Bens Blog

Sichten auf diese Welt – Erfahrung und Wissen, Verzweiflung und Mut

Ostern, Horizont der Zukunft. Von Dr. Reinhard Gaede

Bens Blog für Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit, Frieden in Demokratie.

Pfarrer i. R.
32052 Herford

Ostern. Horizont der Zukunft.

Die Predigt des Apostels (1. Kor. 15, 20)

Das ist Ostern.

Gottes großes ,Nun aber‘ in die Welt des Sterbens hinein. Dies ist eine Nachricht, die der christlichen Botschaft, unserer Kirche den Namen gegeben hat. Evangelium, evangelisch ist abgeleitet vom griechischen Wort ‚euangelion’, ‚gute Nachricht’. Gottes Wirklichkeit bleibt die letzte Wirklichkeit. Vor ihr muss auch die Macht verblassen, welche die Welt ängstigt und jagt, der Tod. Weil Christus auferstanden ist, sollen alle Menschen sich erheben. In seine Bewegung sollen wir uns einreihen. Oder wir werden mitgerissen. Zuschauer wird es nicht geben. Denn wir sind mit Seinem Schicksal verbunden. Er geht uns voran, als Erster, der mitzieht.
Das war sein Schicksal, mit dem wir verbunden sind: 1. Bild: Menschen, die traurig sind, in tiefster Verzweiflung. Die Jünger. Wer von uns kann sich vorstellen, wie Verzweiflung ist? Wir sehen Gesichter, verdeckt von Händen, in die das Gesicht sich vergräbt. Tränen oder auch steinerne Gesichter, leer, für die es Befreiung wäre, wenn sie weinen könnten. Zielloses Hin-und Herlaufen, Suchen nach Verstecken. Der, durch den das Leben sinnvoll und glücklich geworden war, ist tot. Tot sind die Hoffnungen.
Was ist beim Tod so quälend? Simone de Beauvoir, eine berühmte Frauenrechtlerin, schrieb:
„Manchmal ist mir der Gedanke, mich ins Nichts aufzulösen, genauso abscheulich wie früher. Voller Melancholie denke ich an Bücher, die ich gelesen, an Orte, die ich besucht habe, die ganze Musik, die ganze Malerei, die ganze Kultur, so viele Bindungen, plötzlich bleibt nichts mehr.“ Ja der Gedanke an das Auslöschen einer geliebten Person, an unser eigenes Auslöschen, an den Tod ist quälend. Manche unserer lieben Patienten haben im Alter ihr Gedächtnis nicht mehr, sind ganz auf Fürsorge angewiesen. Der Tod greift tief ins Leben ein.
Bild: Die Verzweiflung.
Bild: Licht fällt in das Grab. Die Grabkammern zur Zeit Jesu wurden geschlossen durch
riesige Rollsteine. Der Rollstein ist weggerollt, das Grab ist leer. Licht fällt in das Grab. Das
Dunkel weicht zurück. Nun ist es kein Grab mehr, sondern eine Felsenkammer, geöffnet, in
die Licht fällt, der Eingang, der Ausgang ist frei. Das Grab hat den toten Jesus von Nazareth
nicht halten können.

Wie kommen wir dazu, von dieser Geschichte zu sprechen, die unsere Vernunft herausfordert? Tatsächlich haben wir ja keine Vorstellungsmöglichkeit des Verstehens. Sondern nur die: Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen. „Es ist nichts zu machen.“ Warum haben die biblischen Zeugen uns diese Geschichte zugemutet? Sie haben es nicht freiwillig und von selbst getan. Und als die ersten Zeugen, die Frauen, die Nachricht überbrachten, stießen sie auf lauter Unglauben. Ja, die Frauen selbst erlebten die Erschütterung ihrer Vorstellungsmöglichkeiten von der Endgültigkeit des Todes mit Zittern und Entsetzen. Am besten ist es, in der Debatte mit Naturwissenschaftlern und Historikern zuzugeben, was die Bibel auch sagt: Dass überhaupt keine Erfahrungsgrundlagen da waren, welche die Nachricht von der Auferweckung Jesu untermauerten. Aber diese Unerklärbarkeit sollte man auch als Grenze des Denkens stehen lassen und die Grenze nicht in Richtung der Gegenbehauptung überschreiten, als sei der Vorgang eine Halluzination gewesen, etwas was man sich ausgedacht hat. Tatsächlich wäre dieser Schluss unvernünftig. Denn alles vernünftige Fragen kommt bis zu diesem Rand, den das Geschehen wie einen Krater aufgeworfen hat. Zuerst waren die Jünger verzweifelt, verstreut, verängstigt, in Verstecken.

Auf einmal kommen immer mehr, die mutig und fröhlich auf die Straßen ziehen, von den Dächern rufen, später sogar den Märtyrertod für die Wahrheit ihrer Worte erleiden: Der Herr ist auferstanden. Er hat den Tod besiegt. Er ist lebendig. Alle seine Worte gelten noch. Er ruft uns. Unerklärlicher Wechsel, Erklärbar allein vom Erlebnis her, das sie hatten. Der Tote war ihnen als Lebendiger erschienen. Für dieses Erlebnis gab es die einzige Erklärung: Er ist auferweckt worden, wie man vom Schlaf aufgeweckt wird.
Welche Glaubwürdigkeit hat diese Nachricht? Der Apostel Paulus führt vor der Korinthischen Gemeinde den Wahrheitsbeweis, der damals anerkannt war unter Historikern, beim griechischen Historiker Herodot bezeichnet als „autopsia“. Berichtet wird, was man selbst gesehen hat. Und die Namen von Zeugen werden angegeben, die man befragen kann. So wird eine Nachricht vertrauenswürdig, gut bezeugt. Und so berichtet Paulus: Petrus hat den Auferstandenen gesehen, dann die Zwölf, dann 500 Brüder auf einmal, dann Jakobus, dann Paulus selber, der durch diese Erscheinung des Auferstandenen aus einem leidenschaftlichen Gegner des Christentums zu seinem größten Missionar, Prediger und Seelsorger wurde.“

Christ ist erstanden.“ Eine Nachricht die froh macht, alle die unter der Macht des Todes leiden, alle die leiden unter der Macht des Bösen in unmenschlichen Verhältnissen.
Paulus gehörte zu diesen Menschen. Täglich muss er sterben, sagt er einmal: Mit wilden Tieren kämpfen, verprügelt, verleumdet, gefangen, gesteinigt werden, beraubt sein (2. Kor. 11, 23 ff) – Er kann es nur ertragen, weil er weiß, eines Tages ist es vorbei. Wie er sein Kreuz mit Christus trägt, wird er auch einmal an seiner Herrlichkeit Anteil haben. In seinen Leiden für Christus ist Christi Sieg verborgen gegenwärtig. Die Gegenwart des Gekreuzigten zeigt sich so, dass er mitgeht durch das Leiden.
Aber wie kann man das den Korinthern sagen? Über ihren Gemütszustand sagt er einmal: Sie sind satt. Sie sind wie Herrschende (4, 8). Sie warten nicht auf die Auferstehung der Toten. Das neue Leben glauben sie schon zu haben wie einen festen Besitz. Das genügt ihnen. Leid und Tod verdrängen sie „Wir sind schon auferstanden“, sagen sie. So schweben sie wie auf Wolken. Eine weltentrückte Frömmigkeit. Diese Selbstsicherheit geht in Korinth einher mit Gleichgültigkeit in Fragen des Handelns. Welt und Leib sind unwichtig geworden. Entweder besteht das Leben nur noch aus Verboten. Man lebt asketisch. Oder im Gegenteil wie die Wüstlinge nach der Devise: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“ Das Hoffen und Warten auf Christus haben die reichen und satten Korinther verlernt. Glaube ist eine religiöse Stimmung geworden.
Seelsorgerlich eindringlich fragt Paulus nach der Tragweite unserer Hoffnung. Ist es die Hoffnung, die sich bewährt an der Realität? Bewähren muss sie sich an der Realität des Todes. Zum Menschen gehört der Tod. Mit seinem Auslöschen der Lebendigkeit aller Gedanken und Bewegungen. Mit seiner Verwesung des Leiblichen. Letztlich nicht umdeutbar, nicht zu verdrängen. Den „letzten Feind“ nennt Paulus diesen Tod. Erst wer ihm entgegengesehen, entgegengedacht, gleichsam sein Testament gemacht hat, weiß was Christus vermag, was wir von ihm erhoffen dürfen. Adam, in der Bibel der Vertreter aller Menschen, hört das Wort: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden“. Aus dem, was von ihm übrig bleibt, Erde und Asche, wird sich nichts Unzerstörbares erheben. In Adam, d. h. als Menschen sterben wir alle. Aber das ist die Osternachricht: „In Christus werden alle lebendig gemacht werden.“ Das heißt: Durch den Glauben an ihn empfangen wir, was er uns schenkt: Ewiges Leben. Wie er an unserem Schicksal teilnahm, in den Tod zu gehen, so ist er für uns auferstanden, um den Tod zu überwinden. Nicht vom ersten Ostertag spricht Paulus jetzt, sondern vom letzten Ostern für alle Welt. Wie Luther noch sagte: Vom „lieben jüngsten Tag“.

Das Ende ist nicht die Vernichtung, sondern die Vollendung dieser Schöpfung. Dieser Schöpfung, von der Gott sagte, sie war sehr gut, die das Geschöpf in Auflehnung gegen seinen Schöpfer immer wieder mit tödlicher Verwüstung überzogen hat, sie wird einmal ganz
von der Liebe Gottes erfüllt sein, „damit Gott sei alles in allem“. Dann ist das Reich Gottes vollendet, wenn einmal nur noch Gottes Liebe regiert. Ostern sagt an, dass die ganze Welt eine Zukunft hat. Das ewige Leben ist die göttliche Antwort auf die Frage nach dem Schicksal des Einzelnen. Reich Gottes – wie die Evangelien sagen – „Gottes Sein in allem“ – wie Paulus sagt – ist die göttliche Antwort auf die Frage nach dem Geschick der ganzen Welt. Eine Welt, in welcher der Tod nicht mehr ist, Leid und Schmerz nicht mehr, sondern nur Geborgenheit in der Nähe Gottes. Auch zerstörerische und Angst machende und niederdrückende Macht von Menschen über Menschen gibt es dann nicht mehr. Wie Jesus von Nazareth seinem Vater im Himmel gehorsam war, so wird auch der Auferstandene, Christus, der Weltenherrscher, zum letzten Mal gehorsam sein und somit alle Kreatur einbeziehen in das Leben vor Gott. So dass alles Leben wieder unter dem Zeichen ist, nach dem der Schöpfer und Erlöser regiert. Dem der Liebe.
Ostern wird es. Der Apostel sieht prophetisch den Himmel offen. Ostern, Neubeginn einer Menschheit, die nicht mehr unter der Geißel des Todes zwischen Angst und Verbrechen taumelt. In Frankreich, in der Gegend von Piemont, gibt es einen alten Osterbrauch. Wenn am Morgen des 1. Ostertages die Glocken läuten, laufen Kinder und Erwachsene zum Dorfbrunnen. Mit dem klaren kühlen Wasser waschen sie sich die Augen. Eine Zeichen-Handlung, eine Art Gebet um Osteraugen. Wir wollen besser sehen, was durch die Auferstehung für Welt und Mensch anders wird.
Manchmal gelingen uns Demonstrationen für Gottes Reich wie dem kleinen Heiligen, von dem Albert Schweitzer erzählt – und wer sein Leben kennt, merkt, dass er von sich erzählt. Der kleine Heilige erschrickt nicht, als der Engel ihn, in die Ewigkeit abholen will, denn er freut sich darauf. Aber du siehst ja, was hier noch für ein Berg Geschirr abzuwaschen ist, lässt sich das mit der Ewigkeit nicht noch so lange hinausschieben? Der Engel sieht ihn freundlich an und verschwindet. Eines Tages treffen sie sich im Garten. „Sieh dir das Unkraut hier an“! sagt der kleine Heilige. Der Engel lächelt und entschwindet. So werkte der Kleine fort, und die Zeit ging hin. Dann trafen sie sich im Krankenhaus, wo der Kleine von Bett zu Bett eilte,
um alle zu versorgen. Diesmal breitet er nur viel sagend die Arme aus. … Aber einmal liegt er
erschöpft auf seinem Lager und fühlt sich ganz alt und müde. Da wünscht er selbst den Engel herbei. Und als er kommt sagt er: „ Wenn du mich noch nimmst, so bin ich nun bereit, in die Ewigkeit einzugehen.“ Da sagt der Engel freundlich zu ihm:“ Was glaubst du wohl, wo du die ganze Zeit gewesen bist“?
Unsere Schritte des Alltags gehen wir im Licht von Ostern. Es erlischt nicht, auch wenn wir die Augen schließen. Hoffnung auf Christus befreit zum Leben und zur Liebe.
Amen

GAGA NIELSEN

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