Markus Hibbeler kommentier Linksruck


„Es gibt vieles, was man an der AfD kritisieren kann und auch muss. Die Art und Weise, wie mit der Partei umgegangen wird, widerstrebt mir jedoch sehr. Abgesehen davon, dass es die Partei gar nicht gäbe, wenn die Union nicht ihren Kurs verlassen hätte, hat es nichts mehr mit Demokratie zu tun, wenn Eltern ihren Kindern verbieten, mit Kindern von AfD-Politikern zu spielen, oder wenn Restaurant-Betreiber oder Fußball-Vereine AfD-Anhängern den Eintritt verweigern. Es hat nichts mehr mit Demokratie zu tun, wenn es Anschläge auf Privathäuser oder Parteibüros gibt. Und wer sich einmal Herbert Grönemeyers Video anschaut (siehe voriges Posting), wird feststellen, dass die vermeintlich Guten mittlerweile eine ebenso totalitäre Tonart anschlagen wie jene, die sie angeblich anprangern.

Mit Gegröle, Zensur und Hass erweist man der Demokratie einen Bärendienst – und zwar auf allen Seiten. Demokratie bedeutet, sich mit anderen Meinungen fair und auf Augenhöhe auseinanderzusetzen; Demokratie bedeutet, zu debattieren und zu streiten, aber dem Gegenüber nicht zu schaden.

Ich habe den Eindruck, viele Deutsche können nur noch extrem, sind zu obrigkeitshörig und lieben das Kollektiv, um sich in diesem dann selbst zu beweihräuchern und sich gegenüber Andersdenkenden zu überhöhen. Moralischer Narzissmus in Reinform. Es wundert mich nicht, dass es auf deutschem Boden in den letzten 80 Jahren gleich zwei Diktaturen gab.“