Wie sie Integrierte enttäuschen


Eben wurde ich zu diesem Text eingeladen und bin jetzt noch wütend und traurig. Der Gedanke, dass es gerade die gut integrierten Migranten sind, die in Deutschland benachteiligt werden, hat sich mir schon oft aufgedrängt. Es ist wie in einer Kindergruppe, in der alle den Rüpel umsorgen, und das nette Kind muss stets einstecken.

Es ist aber auch ein Bericht darüber, wie in Deutschlands Schulen mit (arabischem) Antisemitismus umgegangen wird. Selbst Lehrer, die sich anfänglich entsetzt zeigen und wirklich etwas unternehmen wollen, beginnen nach einiger Zeit zurückzurudern, wenn der Druck der Eltern zu groß wird oder die Schule um ihres Rufes Willen die Sache deckeln will.

Es passiert immer häufiger, und zu viele sehen weg. So wie sie auch später wegsehen, auf ihren Unteilbar-Demos und in ihrer Orientromantik…


DEUTSCHLAND VERGRAULT SEINE BESTENS INTEGRIERTEN MIGRANTEN!

oder

WENN DAS SCHICKSAL NICHT ZWEIMAL WINKT!

So viele Jahre, so viele Eindrücke, so ein langes Leben – in einem Land, in dem man einst gedacht hatte, dass man in jenem auch alt werden würde.
Du hast einen ausländischen Background, aber Deine Kinder sind Deutsche. Und somit ist auch Dein Lebensmittelpunkt Deutsch. Naja, bis vor einiger Zeit zumindest noch.
Du hast es perfekt verstanden, Deine südländische Kultur mit der deutschen zu vereinen, aus beidem das Beste und das Positivste herauszuholen. Bis Du erkennen musstest: das Deutschland, in dem Du Dich immer so sicher fühltest, gibt es so nicht mehr. Zumindest nicht mehr an Deinem Ort sowie an vielen anderen Orten und Städten dieses einst so sicheren Landes. Du hast so langsam die Veränderungen an Dir selbst wahrgenommen, ein Gefühl des Unwohlseins beschlich Dich. Also fingst Du an, mehr nachzuforschen. Zu lesen, zuzuhören, zu erfahren. Und was Du erfuhrst, das waren keinerlei Wahrnehmungen und Fakten, die man als angenehm empfinden konnte. All das wurde über die letzten Jahre immer unerträglicher. Deine körperliche Haltung veränderte sich. Dein Sicherheitsgefühl liess nach. Aber vor allem: Deine Leichtigkeit ging mehr und mehr dahin. Dennoch: Du hast Deine Kinder in diesem Land. Kinder, für die Deutschland ihre Heimat ist. Und deshalb bist Du gewillt, die immer negativer werdenen Auswirkungen unvermeidlicher Strukturen und Entwicklungen in diesem Land, dem einst Deinem Land bzw. Heimat, noch eine Chance zu geben. Um der Kinder wegen. Und um Deines Mannes wegen. Auch wenn Du selbst merkst, dass die Unbekümmertheit in Deinem mentalen Kopf in immer schnelleren Zügen nachlässt. All das jedoch bist Du bereit, hinzunehmen. Was Du nicht hinnehmen kannst, ist das Produkt, das eine völlig falsche Politik in diesem Deutschland, dem Land, welches Dir und Deiner Familie Sicherheit geben sollte, weil Ihr für diese Sicherheit lebt und arbeitet, nicht mehr nur immer weniger gewährleistet. Diese falsche Poltik der Toleranz und des Alleshinnehmens, wenn die falsche Spur den vermeintlich richtigen Namen trägt, ist nun bis zu Deinem jüngsten Kind vorgedrungen. Denn mit der falschen Politik verändert sich auch die falsche Haltung in der Gesellschaft. Nicht immer, aber immer mehr. Und so hat diese falsche Politik der falschen Toleranz und der Rückratslosigkeit auch den Alltag der Menschen erreicht. Ob im Beruf, im Sportverein, in Freundschaften, ja gar innerhalb der Verwandtschaft. Und ein besonders wichtiger Aspekt: in den Schulen. Und somit war es nur eine Frage der Zeit, bis man eines Tages nicht nur in einem Nebensatz oder in einer Zeitung auf der vorletzten Seite unten rechts einen kleinen, kaum erkennbaren Artikel über den negativ entwickelnden Schulalltag liest – sondern gar aus erster Hand. Und im schlimmsten Fall: am eigenen Leib erfährt. So wie es Deinem Sohn widerfahren ist. Und Du als liebende Mutter damit automatisch mit zum Opfer gemacht wurdest. Was aber war die Sünde, die Dein Sohn begangen hat, dass er urplötzlich als einst guter und selbstbewusster Schüler eines Gymnasiums plötzlich zum Mobbing-Ping-Pong-Ball wurde? Nichts. Naja, fast nichts. Sein „moralisches Verbrechen“ war, dass er Moral besass. Dass er bei einer Schüler-Whatsup-Gruppe, die meinte, extrem pornographische Bildchen auszutauschen, nicht mitmachte. Aber damit hätten seine „coolen“ muslemischen als auch nicht-muslemischen Klassenkameraden ja vielleicht noch leben können. Was gar nicht ging: Dein Sohn machte bei der hasserfüllten Judenhetze nicht mit. Schlimmer noch: Du als Mutter entdecktest jene hasserfüllten Kommentare, die Dich absolut schockierten. Wer als junger Jugendlicher, wovon die meisten in D geboren sein dürften, so voller Judenhass ist, obwohl er wahrscheinlich in vielen Fällen noch nie im Leben überhaupt mal ein Wort mit einem Juden gewechselt hat, bei dem sollten in der Tat alle Alarmglocken aufleuchten. Und somit tatest Du das, was jeder Mensch mit nur einem Bruchteil einer Moral täte. Du informiertest die Lehrerin Deines Sohnes. Wer hätte gedacht, dass dieser Tag, an dem Du das Richtige tatest, nicht nur das Leben Deines Sohnes, sondern Euer gesamtes familiäres Leben und Eure Zukunft verändern würde?

Nach jenem schicksalhaften Gespräch zwischen der Klassenlehrerin und Dir als Mutter, nahm alles seinen Lauf. Die Schulleitung wurde informiert. Da die Kommentare gewisser Schüler einen Straftatbestand darstellten, wurde Polizei und Verfassungsschutz einbestellt. Es folgten Diskussionen, Elternabende, etc. etc. etc… Leider schien die Lehrerin, die anfänglich wirklich erbost und schockiert schien von diesen Vorfällen, da man es jenem/n Schüler/n eben niemals zugetraut hätte, nicht die Courage gehabt zu haben, um bei der speziell einberufenen Elternversammlung, die Dinge klar beim Namen zu nennen. Anstatt zu erzählen, was tatsächlich vorgefallen war – und wie sich das auch für Deinen Sohn ausgewirkt hatte, sprach man so „allgemein“ von Informationen über antisemitische Aussagen, die in D als „kriminell“ gewertet würden. Was nicht sonderlich zur Sprache kam, was Du Dir als Mutter, aber auch als Erziehungsperson gewünscht hattest, ging leider total unter. Nämlich, dass seit jener Zeit, als die unzumutbaren Sprüche und Aussagen gewisser Klassenkameraden ans Tageslicht kamen, Dein Sohn Zielscheibe von Mobbing wurde. Und zwar nicht nur von jenem muslemischen Klassenkameraden, der dabei eine Hauptrolle spielte, sondern von vielen weiteren Klassenkameraden. Auch den deutschen – auch jener, die bis dato zu seinen engsten Freunden in der Schule zählten. Als Erwachsener ist so eine abrupte Veränderung und Enttäuschung schon kaum zu ertragen. Aber als gerade mal Heranwachsender??? Mobbing ist eines der schlimmsten Zustände, in die man einen Menschen bringen kann. Ich weiss das, weil ich erstmalig in meinem Leben als erwachsener Mensch am Ende meines letzten Arbeitsjahres davon eine kleine Spur zu spüren bekam. Nämlich in dem Moment, als ich anfing, mich zu organisieren mit einigen Ex-Kollegen, um unsere Rechte als AN besser durchsetzen zu können. Um nicht zu sagen, den Launen gewisser Vorgesetzter nicht hilflos ausgeliefert sein zu müssen. Nach vielen Jahren absolut kompetenter Arbeit, als jemand, der eigentlich immer eher beliebt als unbeliebt war, versuchte man urplötzlich aus einer gewissen Position heraus, mir mein Arbeitsleben zu erschweren. Kein angenehmes Gefühl. Aber nicht halb so schlimm wie in diesem Falle, weil ich a) ein erwachsener und selbstbewusster Mensch war und b) mir innerlich einen abgrinste, weil ich längst meine Zukunft selbst in die Hand genommen hatte und die grundlegende Veränderung meines ganzen Lebens nur noch eine Frage der kurzen Zeit war. Und ich am Ende Diejenige war, die lächelte, während jene Banausen, die mir das Leben plötzlich erschweren wollten, weil sie ihre Hierarchie in Gefahr sahen, mit offenem Mund hinter mir stehenliess. Aber zurück zu unserem Jugendlichen: als Teenager mitzuerleben, wie selbst Dinge wie enge Freundschaften nur eine Farce waren, damit man „dazugehörte“, oder schlimmer noch, seinen Freund/Kumpel auch noch vorzuwerfen, wie es sogar gewisse deutsche Jugendliche taten, indem sie sich fast alle von ihm entfernten oder sonstwie während des Unterrichts oder in den Pausen ignorierten, das ist nicht leicht zu ertragen. Wenn man sich auf dem Pausenhof lieber in eine Ecke verdrückt und schläft, damit man nicht allzu bewusst die neu entstandene Ignoranz seiner Klassenkameraden mehr mitbekommt – oder urplötzlich von angeblichen oder doch echten Bauchschmerzen geplagt wird, dass man fast mehr zuhause bleibt als die Schule zu besuchen, dann ist das ein Zustand, den man als Mutter kaum noch ertragen kann. Und man fühlt sich so hilflos dabei. So unendlich hilflos. Dazu eine Lehrerin, die dann noch alles als „übertrieben“ bewertet und anfängt, die Ursache der Veränderung eines jenen Schülers woanders suchen zu wollen. Und man als Mutter zeitgleich aber stark genug bleiben muss, um die Familie zusammenzuhalten. Was wird der Vater sagen, wenn er all diese Details kannte? Wie würde er reagieren? Ja, Du als Mutter wusstest sehr genau, wie Dein Mann reagierte, wenn er wüsste, wie man seinem kleinen Sprössling zusetzte. Und Deine Angst, dass der Vater aus Wut und Schutzinstinkt da noch mehr ein Fass aufmachen könnte in der Schule, die als Konsequenz Deinen Sohn noch mehr in die Einsamkeit drängen könnte, zwang Dich dazu, Deinen Mund zu halten. Und heimlich irgendwie zu versuchen, die Wogen zu glätten. In der Hoffnung, Gras über die Sache wachsen zu lassen, um irgendwann hoffentlich bald einen halbwegs „normalen“ Schulalltag für Deinen Sohn gewährleisten zu können. Als all das nichts nutzte, versuchtest Du privat, einige Eltern zu kontaktieren. Interessant war, dass die meisten Eltern eher schockiert waren und die Hintergründe offenbar kaum bis gar nicht kannten. Und dachten, bei der damaligen Elternversammlung ging es „allgemein“ um die Info, auf was man bei der Erziehung seiner Sprösslinge zu achten hatte. Du jedoch, Du fragtest Dich die ganze Zeit: Wie kann es sein, dass man so grausam antisemitisches und hasserfülltes Reden eigentlich nicht verurteilen würde? Sondern ganz im Gegenteil: derjenige, dessen Mutter all das herausfand, nun zum Täter degradiert wurde von den Mitschülern – und der menschliche Mittelpunkt dieser ganzen hässlichen Geschichte geradezu als Held in selbiger Whatsup-Gruppe gefeiert wurde? Der Verfassungsschutz kümmerte sich bereits um einen krass antisemitischen Jugendlichen – und jener wird als Held gefeiert??? Man kann bestens politisch und religiös informiert sein – wenn man das dann hautnah bei seinen Liebsten miterleben muss, dann ist das wohl nochmal eine ganz andere Nummer. Und währenddessen dachten wir beide uns immer wieder: wie vermag es wohl Juden selbst ergehen in diesem Neu-Deutschland? Was erst müssen einige jüdische Kinder und Jugendliche durchleben in einem Land, welches sich das „nie wieder!“ auf die Stirn tätowiert hat und zeitgleich an Rückgratslosigkeit kaum noch zu überbieten ist?+

Und so vergingen die Tage, Wochen und Monate zwischen „Bauchweh“, Ignorieren, Mobben bis sich die Dinge oberflächlich halbwegs beruhigt hatten. Aber während dieser Zeit ist etwas passiert. Etwas ist zu Bruch gegangen bei Deinem Sohn. Das Urvertrauen. Das Urvertrauen, in einem Land zu leben, in eine Schule zu gehen, wo man sich bestenfalls über die nächste Klassenarbeit ärgert, oder heimlich seinen Schwarm anbetet, aber ganz sicher nichts von seinen Klassenkameraden und Freunden zu befürchten hat. Dieses verlorene Urvertrauen ist nicht nur schädlich, es gibt Verantwortliche dafür. Und diese VERANTWORTUNG fängt bei der irren Politik in Deutschland an. Angeführt von Merkel bis über sämtliche Parteien und Vereine sämtliche weiterer Alt-Parteien hinaus. Hinausgesprüht inmitten der deutschen Gesellschaft. Wo es als schlimmer angesehen wird, auf den Täter zu zeigen als Täter zu sein! Und nun? Nun hat diese verfehlte Politik an unserer privaten Haustüre geklopft – die Opfer dessen werden immer jünger. Und es gibt kein anderes Wort als „Opfer“ für diese eigentlich sehr klare Geschichte. Denn wenn ein einst guter und selbstbewusster Schüler sich überlegt, was er tun müsste, um bewusst sitzenzubleiben, um damit dann automatisch in eine andere Klasse zu kommen in der Hoffnung, dass man aus jener jüngeren Klasse ein paar Jungs kennt, mit denen man sich soweit ganz gut versteht, dann hat Politik, Schule und Gesellschaft versagt – und zwar auf ganzer Linie!

Aber Du, Du hattest noch Glück im Unglück. Denn Du bist Migrantin. Sozusagen eine Ausländerin. Auch wenn Du vielleicht deutscher lebst als so manch Deutscher in der heutigen polit-korrekten Welt. Und als solche, die aus einem anderen Land stammt und zum Glück noch zu Europa gehört, kannst im Notfall Deine Sachen packen, Deinen Sohn nehmen und ihn, Dich und Deine gesamte Familie vor diesem enormen Versagen der deutschen Politik retten. Du hast noch einen Rettungsanker. Diesen Rettungsanker hast Du nun ergriffen. Ihr wandert aus! Unter Umständen, die Du Dir so nicht in Deinen kühnsten Träumen hättest vorstellen können. Aber immerhin, die Chance ist da – und diese nutzt Du nun. Du hast geredet, geweint, tief Luft geholt, gehofft und wieder geredet, und geweint. Immer wieder geweint. Du hast alles getan, um zu retten, was noch zu retten war. Und Du hast resigniert. Aber aufgeben, das kam für Dich nie in Frage. Das war und ist unvorstellbar, weil Du somit Deinen Sohn aufgegeben hättest. Und mit Deinem Sohn hättest Du Deine ganze Familie aufgegeben. Und das kann eine Frau wie Du, eine Mutter wie Du, nicht, weil es dafür ein einfaches Rezept gibt: Liebe! Die unendliche Liebe zu Deinem Kind wird Dir nie die Möglichkeit geben, aufzugeben. Dieser unendlichen Liebe ist es zu verdanken, dass Du einen Ausweg aus diesem dunklen Tunnel gefunden hast. Und wie Du schon sagtest: vielleicht wirst Du eines Tages besonders diesem einen jungen Mann danken müssen, der all diese Misere im Leben Deines Sohnes angekurbelt hatte. Der Preis dafür war hoch. Und den Preis, den Du/Ihr jetzt dafür zahlt, ist auch enorm hoch. Aber dort, wo sich heute eine Tür schliesst, wird sich anderswo eine neue Tür Dir und Euch öffnen. Und wie sagte ich immer so schön: wenn Du Dein Umfeld nicht verändern kannst, dann ändere Du Dein Umfeld. Auch wenn dieses Umfeld manchmal über die Grenzen hinaus geht.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Glück auf Erden – und eine neue, erstrahlende Zukunft. Du hast die Weichen gelegt. Und das erfordert verdammt viel Mut. Aber lieber das Risiko eingehen, zu versagen. Als sicher im Versagen einzugehen.

Aber eines, das ist Dir jetzt schon garantiert: das echte Urvertrauen Deines Sohnes, das ist bis heute geblieben. Das ist das grösste Geschenk, welches Du Deinem Kind mitgeben kannst. Er hat Glück, in solch eine wunderbare Familie hineingeboren zu sein. Und eine Mutter wie Dich zu haben!

Auf Dich und Deine Familie. Du bist mir so fern – und doch so nah!

Boos,

Deine persische Freundin


Edit: In diesem Ausnahmefall darf beim Kopieren auch mein Name dazu benannt werden, da er eh bald auf „öffentlich“ gestellt wird. Dafür ginge ich auch gern 30 Tage nochmal in den FB-„Knast“, wenn auch DAS als „hatespeech“ gewertet würde. Ich warte nur noch, bis og. Personen in Sicherheit sind. (Romy Krohn)