Am 29. Dezember starb der frühere Ministerpräsident von Brandenburg, Manfred Stolpe. Die Bundeskanzlerin würdigte ihn als „Gesicht und Stimme“ Brandenburgs, der Bundespräsident als “überragende politische Persönlichkeit”. Selbst Linken-Ministerpräsident Bodo Ramelow lobte seine Verdienste als „Brückenbauer“. Das Wichtigste ließen die offiziellen Nachrufe indes unerwähnt – Stolpes langjährige Zusammenarbeit mit dem DDR-Staatssicherheitsdienst.

Von Hubertus Knabe

Als ich Manfred Stolpe 1988 kennenlernte, war ich gerade Studienleiter der Evangelischen Akademie in West-Berlin geworden. Bei meinem Antrittsbesuch in Ost-Berlin fragte ich den damaligen Konsistorialpräsidenten, wie ich DDR-Oppositionellen einen Auftritt in West-Berlin ermöglichen könnte. Mit verschmitztem Lächeln schlug er mir vor, eine Tagung zum Thema „Kirche im Sozialismus“ zu machen. „Dagegen kann niemand etwas haben und Sie können unauffällig auch ein paar Kritiker einladen.“

Manfred Stolpe erwies sich nicht nur in diesem Fall als Meister der Taktik. Dass er in der DDR 1955 zum Studium der Rechtswissenschaften zugelassen wurde, zeigte früh seine Fähigkeit zur Anpassung. Nach seinem Diplom ging er in den Dienst der Evangelischen Kirche, wo er 1969 Leiter des Sekretariates und später stellvertretender Vorsitzender des DDR-Kirchenbundes wurde.“

zitiert aus:

https://hubertus-knabe.de/zum-tod-von-manfred-stolpe/