Pflegeskandal

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Altenpflege in kollektiver „Betreuung“ – Über das Leiden meines Vaters in katholischen Krankenhäusern und in Pflegeheimen, im Sozialamt und in einer Zeit, in der Demenz-Pflegebedürftige keine Lobby hatten. Ich danke aber der früheren MdB Scharfenberg, die – weitgehend unbeachtet von Medien und Parteien – im Bundestag Meilensteine zu versetzen versuchte. Sie wurde nicht mehr in den Bundestag gewählt. Die Grünen stützten sie nicht mehr auf der Liste. Bezeichnend.

Meine Erfahrung mit Entwürdigung in der Pflege von Alzheimer- und Demenz-Patienten in Krankenhaus und Pflegeheim

Nein, es ist keine pauschale Anklage gegen Pflege, gegen die katholischen Krankenhäuser, das Katholische schlechthin. Es ist eine Erlebnisbeschreibung. Und auch nicht umfassend. Ich hatte es damals täglich in evangelish.de protokolliert. Schon ab 2007 bei meiner Mutter. Aber dort löschte man es. Es ist eine Anklage an die, die politisch, personell und materiell Pflege in Deutschland an reinen Finanzinteressen orientieren.

Zustände in zwei katholischen Krankenhäusern in Köln. Unter städtischer Kontrolle

gab es Fesselung, Vernachlässigung, falsche Medikamentenkombinationen.

Ungenehmigte Fixierungen

Nicht nur dieser alte Mann war eingesperrt. Ich habe gegen diese Gitter schon gar nichts mehr gesagt, solange mein Vater nicht auch noch mit Mullbinden am Gitter festgebunden war. Warum macht man das bei ruhigen Patienten?

Ohne richterliche Anordnung wird er heimlich gefesselt. Als ich ihn besuche, erschrecke ich. Ich hatte ausdrücklich verboten, ihn zu fesseln. Man sollte mich rufen, wenn es Probleme gibt. Man rief mich nicht.

Der Mann im Nachbarbett hat sich völlig mit Schokopudding eingesaut. Niemand fütterte ihn. Niemand reichte ihm mit guten Worten etwas. Und man reinigte seinen Tisch auch Stunden später nicht.

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Neben dem Bett – links – lag sterbend ein anderer Mann. Eine Angehörige weinte, als sie ihn besuchte. Der in der Mitte lag stöhnend in seinem Schokoladenpudding. Nachmittags um 16.15 Uhr – und zu anderen Zeiten an anderen Tagen.Der Mann im Nachbarbett hat sich völlig mit Schokopudding eingesaut. Niemand fütterte ihn. Niemand reichte ihm mit guten Worten etwas. Und man reinigte seinen Tisch auch Stunden später nicht.

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MIt dem Löffel in der Hand vor dem vollen Teller eingeschlafen. Verletzung an der Hand. Zähne nicht geputzt, nicht rasiert, das Untergebiss überhaupt nicht eingesetzt. Nachmittags um 16.15 Uhr in einem katholischen Krankenhaus in Köln-Bayenthal. Der Kontrollbogen war vorausgefüllt für die nächsten Tage und unterzeichnet. Man hatte also schon mehrere Tage vor sich, in denen NICHT gepflegt wurde. Und man dokumentierte es vorab, als sei es nachgewiesen worden. Betrug. Staatsanwaltschaft und Polizei blieben weitgehend untätig.

Das Verfahren wurde nie zu Ende geführt. „Richter lassen bis zu drei Tagen Fixierung zu“, grinste mich ein justitieller Verantwortlicher in einem Krankenhaus an. „Wäre ich da gewesen, wäre das nicht passiert“, sagte mir ein ernsthafter Pfleger, der offensichtlich wusste, wovon ich sprach.

Und dieses Erlebnis war nur das erste, das ich fotografierte. Ich erlebte es in 6 Jahren mehrfach.

Es war nicht das erste Mal. Und es war nicht das einzige Krankenhaus. Auch ein Krankenhaus in Köln-Longerich fixierte und sedierte. Mein Vater wäre 2010 beinahe gestorben.

Das Verfahren wurde nach 2 Jahren stillschweigend eingestellt. Obwohl zwei Gutachter bescheinigten, dass „Fehler“ passiert waren. Eine US-Studie hatte man noch nicht gekannt.

Man entschuldigte sich bis heute bei mir nicht. Mein Vater starb an den Folgen.

Er lag nachmittags nach 16 Uhr noch mit der Hand am Löffel vor seinem Teller. Die linke Hand mit einer Mullbinde am Bett gefesselt. Einsamkeit eines dementen Menschen in einem für seine Wahrnehmung verheerenden optischen Umfeld. Kurz vor dem Tod. Realität.

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Keine Hygiene: Die dreckigen Tücher lagen in der besagten Woche mehrere Tage lang in diesem Bad.

Als ich die Schwestern ansprach, reagierten diese nagellackierten Schönheiten zickig. Es waren aber offenbar nur Schülerinnen.

Eine verantwortliche Schwester war überfordert. Sie hatte zwei Etagen zu „betreuen“. Das Wort „Betreuung“ kann ich seitdem nicht mehr hören.

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Mein Vater war – als ich ihn besuchte – allein in einem gefliesten Flur, der ein kariertes Muster hatte. „Für Demenz-Kranke ein Desaster. Denn das macht die ganz wirr“, sagte mir eine Expertin. Im Krankenhaus hatte man für mich und meine Klage „keine Zeit“. Aber das Personal-Gewusel zeigte, dass man für die Übergabezeit offenbar keine ruhenden Pole für kranke Menschen hat.

(Foto aus August 2012; Tod: November)

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Einer der letzten Spazierfahrten mit Rollstuhl zur katholischen Kirche, direkt neben Krankenhaus und Pflege-WG.Mein Vater verlor den Glauben nie – jedenfalls nicht an Gott. An die Kirche?Ist das moderne Seelsorge, Leute im Krankenhaus zu fesseln statt jemand an die Seite zu setzen, Angehörige aus dem Arbeitsplatz zu holen oder sonst Hilfe zu schaffen? Nein. Es ist furchtbar gewesen.Und ich konnte und will längst nicht alles hier schildern, was ich in den Jahren 2007 bis 2013 neben meinem öffentlich verpflichteten Beruf alles erleben musste._____

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Psalm 8,

Die Herrlichkeit des Schöpfers – die Würde des Menschen

[Für den Chormeister.
Nach dem Kelterlied.
Ein Psalm Davids.]
2 Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde;
über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob,
deinen Gegnern zum Trotz; deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.
4 Seh ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
5 Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt:
8 All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
10 Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

Einheitsübersetzung der Heiligen Schriftf

Danke dennoch an alle Helferinnen und Helfer im Pflegedienst.

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Gesteck einer russischen alten Dame, die beispiellos geholfen hat.

Tageslesung
(katholisch)Tageslesungen
in Taizé
Tageslesung,
evangelisch.de

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Wenn die Eltern älter werden

Erstveröffentlichung in evangelisch.de – inzwischen gelöscht

  1. November 2010 – 2011
  2. (vorerst letzte) Teil -bis 2012

Überforderte Pfleger oder mangelhafte Ausbildung?
Es ist heute der Tag 25 in der von mir so gepriesenen Pflege-Wohngruppe.Doch kommt wieder ein Kampf an der Pflegefront?

Die Fakten von heute – mein Vater ist seit dem 1. NOvember in dermodernen neuen PflegeWG, hat eigene Möbel, es sind nur 8 oder 9
Pflegebedürftige, immer ist eine ausgebildete Kraft da, mobile Pflegekommt von außen (aber alles aus der eigenen Organisation). Eigentlich
sollte das klappen.

Hier mein aktueller Bericht auf der Grundlage einer ca. 6stündigen Beobachtung durch eine Vertrauensperson, die wirklich nur zu Besuch da war – und nicht zur Kontrolle. Sie sagte,sie sei sehr traurig:

Nenne ich die Vertrauensperson jetzt mal „Engel“:
Um 11 Uhr kam der Gast. an, war angekündigt. Unser Vater saß mit demselben Hemd, wie schon letzten Samstag, Sonntag dort. D.h. er saß im Bad neben der Dusche, aber er kam zurück und fand den Besuch, freute sich, begrüßte den Engel. Er wartete auf das Duschen,Um halb 12 wurde er geduscht, weil der Gast sagte, warum er nicht geduscht ist.

„. Der Engel wollte ihn doch wie von mir angemeldet – heute besuchen. Dass er die Markierungen an der Wäsche machen wollte, ist ja klar – aber der Besuch ist ´Besuch.
Der Engel wurde gefragt, ob –er/sie— ihn duschen wolle. Der Engel lehnte – zum Glück und zu Recht – ab. Das sei Aufgabe des Pflegedienstes.

Mein Vater war nicht rasiert. Erst mittags um 12 nachdem der Engel freundlich, still und bescheiden bat, dass man das mache. Sonntag war er auch unrasiert. Nachmittags!!!!

Die Bettwäsche war und ist dreckig. Wenn ich den Engel richtig verstanden habe, hat der Engel die nun gewechselt. Aber ich soll – so sagt der Engel – beim nächsten Besuch die Bettwäsche kontrollieren.

ES IST DIESELBE AUS DER ALTEN WOHNUNG!!!!!! Und die war schon eine Woche vor dem Krankenhausaufenthalt dort aufgezogen worden und vom Umzugsunternehmen dort so wieder aufgebracht worden. Da war sie noch sauber. Sonntag lagen da drei dreckige Unterhosen rum, sein Schlafanzug war nicht im Bett. Wo??

Der Engel sagt, dass es die Pflegekraft vom letzten Sonntag war. Sie ist freundlich, nett.

Der Engel möchte ihr nichts Böses nachsagen, aber sie sei wohl überfordert als Einzelperson mit 8 oder 9 Leuten. Kann man sich vorstellen. Aber es waren noch Praktikantinnen dort, vermute ich. Was machten die? Wäsche wechseln, rasieren – ist doch kein Problem.

WICHTIG:
Der Engel bat um Wasser für Papa. Ich habe dort ja am 1. November 2 Kästen deponiert, die er noch in der Wohnung hatte. Man brachte zwei Gläser Wasser, aber wieder jemand anderes – wohl eine von den Praktikantinnen?? – Der Engel wollte aber mindestens eine Flasche am Vormittag – und bat am Nachmittag um eine zweite Flasche. Nicht mal für sich. Aber da kam die Praktikantin nicht dran, sagte sie. Warum nicht??? Wasser ist doch das Wichtigste. Essen bekommt er genug, hat zugenommen.

Aber WASSER : WASSER!!!! Ich krieg die Krätze. Der nächste Grund fürs Krankenhaus???
ZWEI- BIS DREI LITER WASSER SOLL ER TRINKEN!!!!
Es geht wieder los mit den Gefahren?

Den Betreuer habe ich informiert. Er wird wohl am Wochenende mal
hinfahren. Ich kann auch erst wieder am Samstag. Ich muss Ruhe bewahren. Aber ich werde nun nicht mehr entspannt zu Hause sein können, bis das geklärt und geändert ist. Einige Tage später rief mich der Betreuer an: Es wird jemand geben, der sich um diese Dinge künftig kümmert.

Rechtlicher Hinweis: Meine Berichte sind Berichte von meiner Erfahrungs- und Erlebniswelt. Sie sind nicht oder nicht immer von unabhängigen Zweiten oder Dritten kontrolliert, sind kein in jedem Detail bewiesenes Dokument. Aber es ist original das, was mir „Der Engel“ berichtet hat. „Der Engel“ wird künftig mein Pseudonym für Menschen sein, die mir vom Zustand meines Vaters mit Herz und Verstand berichten. Es steht den Betreibern offen, hier in geeigneter Weise eigene Sachdarstellungen zu geben. (Erfahrungsgemäß ist alles immer nicht wahr, wie man gestern im „Hart-aber-fair“-Austausch hören konnte. Alles ist gut. Kritik nur Übertreibung oder Äußerung verwöhnter Europäer. Schaut doch mal nach …. ja, wohin? Nach Rumänien? Russland? Ich lebe HIER!

Kommentar: erfasst von Kathy_Valiant (ki) am 26. November 2010 – 15:56.

Hallo Baksb, vielleicht kannst Du trotzdem versuchen, Dich zu entspannen. Für Dein eigenes Wohl, und damit für das Wohl aller, mit denen Du zu tun hast. Das ist sicher sehr wichtig, mit dem Verantwortlichen für die Pflege Deines Vaters zu sprechen. Was Ihr positiv seht, was Ihr bemängelt. Aber möglichst freundlich bleiben, alles andere bringt meiner Meinung nach nichts. Immer freundlich bleiben…

Verfasst von baksb am 27. November 2010 – 8:51.

Habe lediglich den Betreuer informiert. Er gibts einer an sich nicht zuständigen Ansprechpartnerin weiter, die dann…

Heute besuche ich meinen Vater, lüfte (weil es im Raum immer feucht ist, wenn ich komme und der Bilderrahmen schon verzogen. Die Fenster sind neu und dicht). Und ich werde nichts sagen dazu. Lächeln. Danach fahre ich nach Haus und ärgere mich allein für mich.

„Ärgere mich allein für mich“?? Frage. Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 27. November 2010 – 11:14. Gefühle sind eine Gelegenheit, an einer Situation zu arbeiten (hat mir, Gott sei Dank, in den letzten Jahren ein kluger Mensch beigebracht). Gerade die Herausforderungen durch das Altwerden der Angehörigen bringen viele Gefühle mit sich – und daher viel Gelegenheit, an Situationen zu arbeiten, so dass es möglichst gut wird.

Mehr dazu bei mir in dem Thread mit der Verwandten, die in unsere Stadt gezogen ist.

  1. November 2010, eigener Berich. Verfasst von baksb am 27. November 2010 – 11:40. Wohngemeinschaft aufgesucht. Vorher zum nahe liegenden katholischen Pfarramt, um jemand zu finden, der meinen Vater zumindest an den Advent-Sonntagen vor der Heiligen Messe abholt und wieder in die Wohngruppe bringt. Ca. 250 m sind es zwischen Kirche und Wohngruppe. Gleich nebenan die evangelische – aber da will er nicht hin, sagt er. Leider hat das Pfarramt zu. Samstags und Sonntags immer. Pech gehabt.

Berufstätige pflegen im Allgemeinen zumindest Samstag und Sonntag die Dinge zu erledigen, die man in der Woche nach nicht erledigt bekommt. Denn dann habe die Ämter ja auch zu. Kirche ist eben offenbar doch nur noch eine beamtete Verwaltung, eine Verwaltung des Glaubens. Entweder Du passt dazu und passt Dich an und kommst, wann sie da sind oder Du lässt es. Zu Dir kommt keiner. Dann in das Zimmer. Vater war bei seiner „Freundin“ – sie schauten auf ihrem Breitwand-Bildschirm TV, sein Zimmer war leer.

Zwei Tage nach dem Besuch des „Engels“ sehe ich: zwei nasse Unterhosen unter dem Wohnzimmertisch. Schmutzig. Ein brauner Kotstreifen auf der Überdecke. Die ist aber fein säuberlich über das gemachte Bett gelegt. Hat er wohl selber gemacht. Ich hebe das Oberbett – brauner Streifen und insgesamt dreckiges Laken. Das Zimmer ist nicht gelüftet, der Vorhang noch zugezogen. Ich öffne zum Lüften, sehe die feuchten Tropfen unten am Fenster. Selbst der Vorhang ist klamm. 80 Prozent Luftfeuchtigkeit zeigt das Barometer bzw. der Feuchtigkeitsanzeiger an. Innerhalb des Zimmers. Ich nehme das von mir zusammengestellte Fotoalbum und – gemeinsam schaue ich mit meinem Vater die Bilder an, die ich aus den Schubladen beim Umzug geholt, gesichert, digital kopiert und vergrößert, in einen großen 20×30 cm Bildband zusammen gestellt habe. Schöne Fotos von unserem Vater auf einem Motorrad, vor einem alten Omnibus auf dem er mal Schaffner war, in den diversen Wohnungen seit 2007 und am Pflegebett seiner Frau, unserer Mutter. „Was machen wir Weihnachten?“, fragt er. Ich sage, das hängt von unseren Kindern ab, ob wir bei ihnen oder sie bei uns den Heiligabend verbringen möchten. Vermutlich würde ich ihn am 1. Feiertag holen, weil Heiligabend die 20 qm Wohnzimmer und die 10 qm Küche mit 8 Leuten schon sehr voll wäre. Die WG hat dafür weit mehr Platz. Aber wir können nicht alles an einem Abend „schaffen“. Weihnachten hat zum Glück noch mehrere Tage. Es sei denn, der real existierende Atheismus schafft die bald ab.

Antworten Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 29. November 2010 – 14:35. Lieber Baksb, was Du im ersten Teil schreibst, ist unangenehm für uns Noch-Nicht-Demente. Deinen Vater stört es wahrscheinlich nicht, weil er es gar nicht so bemerkt. Trotzdem sollten die Mitarbeiter der WG sich dazu äußern, wie sie mit dem Thema Inkontinenz umgehen. Aber die Beschreibung des Fotoalbums und dass Du das mit Deinem Vater ansiehst, ohne Dich erst mal über den Dreck im Zimmer aufzuregen finde ich großartig. Was Du da für eine Arbeit reingesteckt hast. Das nehme ich mir zum Vorbild.

Antworten
Was gelingt, was fehlt?
Verfasst von baksb am 29. November 2010 – 17:22.
ich hab das gar nicht mal mehr so bemerkt, dass man meinen Beitrag eher mit Focus Inkontinenz lesen könnte. Ich habe das ja schon seit Jahren um mich – erst mit den Kindern als sie klein waren – und dann das Enkelchen – und nun die Eltern. Ich kenne das gar nicht anders. … Das Problem ist auch mehr gewesen, dass man da in ein Zimmer kommt und gleich obenauf der unhygienische Anblick keinem vorher aufgefallen ist – ja, dass sogar drei Tage später noch derselbe Makel dort obenauf sichtbar ist. Weniger eine Frage der Inkontinenz – eher eine der Schwäche in Sachen Aufstehen und Gehen. Denn wenn man nicht mehr so flott ist, wie wir Jüngeren, dann dauert es zu lange, bis man aufgestanden ist, sich zur Seite gedreht, auf die Beine gestellt hat – man benötigt eben Hilfe. Völlig normal finde ich das für jemand, der gerade noch scheinbar kurz vor dem Sterben schien und nun wie vor einem Jahr ohne Stock durch das Zimmer geht, obwohl der Stock manches sicherer machen würde. Es ist mehr eine Frage der Sorgfalt der Sorgenden, die dem Sorgebedürftigen die Sorgen für sich selbst erleichtern sollen. Aufmerksamkeit ist mein Thema. Nicht Perfektion. Es liegt vielleicht an meinem Beruf, dass ich immer Alles um mich herum wahrnehmen muss, ohne ausdrücklich dort hinzuschauen. Ein Blick in den Raum, und ich erfasse zwangsläufig das, was abweicht vom Normativen. Aber es gelingt ja – es wird ab gestern eine junge Frau geben, die dort wohl ihr Praktikum macht und die Aufgabe des Beistehens für meinen Vater übernommen hat. Verantwortlichkeiten schaffen – bestes Prinzip guter Leitungsverantwortlicher. Das klappt – der Betreuer hat sich drum gekümmert. Gespräche geführt, Verantwortlichkeiten und Aufgaben abgeklärt – auch, wer für das Lüften des sehr feuchten Zimmers sorgt, wer die Bettwäsche wechselt, wer die Altwäsche einsammelt, wer die Wäsche in den Schrank einräumt. Das macht zu Hause meist eine Frau, oder ein Mann (wenn die Sozialisation nach Alice Schwarzer funktioniert hat… :-)) ) Und man hat mir versichert, dass ich unbesorgt sein könne – man kümmert sich. Und ich atme durch, denn ansonsten bin ich mit den Wohnbedingungen und dem Konzept sehr zufrieden. Unselbständigkeit ist nicht bei allen alten oder pflegebedürftigen Menschen der Fall. Leider bei meinem Vater, der jahrzehntelang bei der Arbeit geschätzt und kompetent war – nur zu Hause regierte die Frau, die vor ihm ging. Und nun sitzt er da. Scheidung nach dem Plan des lieben Gottes nenne ich das. Ungewünscht – aber unabänderlich. Einer wird der Erste, einer der Letzte sein.

Antworten

Fotoalbum – die Geschichte der Familie

Verfasst von baksb am 29. November 2010 – 17:33.
Ein Wort zu meiner Album-Idee. Pixum oder Kodak oder ähnliche Firmen bieten eine einfache und kostenlose Software an. Man kann dort verschiedene Album-Größen, Layouts etc. aussuchen, Farben gestalten, Bilder groß oder klein oder wie in einem alten Album einsortieren. Dazu kann man Texte schreiben, welche die Geschichte hinter dem Bild oder einen Aspekt oder ein Gedicht oder ein aufbauendes geistliches Wort etc. enthalten. Bei uns waren es die kraftvollen Jahre des Aufbaus, alte Zeitungsausschnitte der engagierten Mutter, des fleißigen Vaters, des kleinen Ladens an der Ecke oder des alten Autos etc. Es sind die mit einem preiswert zu erhaltenden Scanner digitalisierten alten Bilder oder Texte, die ich in den Schubladen fand. Man kann auch Gegenstände scannen, die dann als Foto erscheinen manchmal künstlerisch angeordnet. Sie lösten bei meinem Vater, der „gestern“ noch fast Alles weiß, ein Schmunzeln, erinnernde Bemerkungen und jedenfalls Wiedererkennen aus. Ich habe es mal mit nach Hause genommen – auch meine Frau und mein Sohn fanden das Buch gut. Die beiden Töchter sollen es noch sehen – dann kommt es wieder zu meinem Vater. Er wird es möglicherweise wieder ganz neu für sich entdecken – aber egal. Wenn es jeden Tag für ihn eine Wiederholung des bei ihm noch Präsenten ist, wird er hoffentlich froh sein und Anderen davon erzählen. Und sei es seiner „WG-Freundin“, bei der ich ihn beim Kaffee traf.

Und das, was er damit macht, macht uns eine neue Bildergeschichte,

wenn ich ihn dabei fotografiere. Und es wird helfen, wenn eines Tages vielleicht alles nicht mehr ganz so schön sein sollte – oder wenn der Tag kommt, an dem wir für immer irdischen Abstand nehmen müssen. Daskann ja jede Sekunde sein. Darüber entscheidet zum Glück nur das, was uns geschaffen hat- Mit Kohelet – und es ist doch nur „alles Windhauch.“

Antworten: Der Autor der Familiengeschichte
Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 30. November 2010 – 12:01. Und es macht einiges an Arbeit, das zusammmenzustellen? Vielen Dank für den Tipp. Wer weiß, vielleicht wird das hier von dem einen oder anderen aufgegriffen.

Antworten
Familien-Geschichtsbuch
Verfasst von baksb am 1. Dezember 2010 – Naja, man muss Spaß daran haben. Im Prinzip ist es wie früher schon: Man schaut die alten Fotos an, sortiert sie ein wenig, erzählt davon, legt sie zur Seite oder macht ein eigenes Album für jedes der Kinder – diesmal für die Eltern, weil die das für sich so nie machten. Und da immer mehr digitale Bilder gespeichert werden müssen, lernt man auch, sie in elektronische Alben zu legen und dann fehlt nur ein wenig Geschick, Zeit, Lust am Ergebnis – und das Schöne: Man kann es auch< direkt dem Empfänger schicken und muss nicht zur Post, da die doch auch immer weiter weg ist. Schließlich ist es ein Stück Verarbeitung eigener Vergangenheit, Einordnung eigener Wahrnehmung der Kinderzeit, auch Loslassen des Gewesenen, Erkennen dass es mit eigenem Erleben heute auch im Morgen ein wird. Was mich einmal beschäftigte, interessierte, aufregte, in Bewegung brachte – die Morgigen können es sich sowieso nicht vorstellen. Da fällt mir ein, dass Charles Aznavour darüber ein Chanson machte. Das hör ich mir nun an. „Nein, ich vergaß nichts davon“ oder „Es ist schon lange her…“

Antworten

  1. Advent – das Positive finden
    Verfasst von baksb am 12. Dezember 2010 –

Auszug aus dem Bericht an den Betreuer:<
„habe unseren Vater heute nach einer Pause von etwa 8-10 Tagen besucht
und zum Advent nach Hause geholt. Es ist Sonntag.

Mobilität war sehr gestört. Konnte kaum stehen. Drohte ständig umzukippen.
Habe ihn mit Rollator zum Auto gefahren, bei uns war er dann
entspannter – in seinem Zimmer war er sehr nervös. Grund unbekannt. Strömender Regen. Mir kamen Leute entgegen, die sahen, dass ich seinen STock, den Berg mit Wäsche (Vorhang) und meinen Vater schleppte, den Rollator mit zwei Fingern jeder Hand steuert und ihn kaum durch den plötzlich einsetzenden Hagel transportiert bekam. Hilfe hätte ich gebrauchen können – die Damen und Herren, die mir entgegen kamen, sahen das aber wohl nicht…. Der Hocker hatte heute Mittag eine Kot-Schleifspur. Habe Bescheid gesagt. War um 18.30 Uhr aber immer noch drauf. – Vorhang wird von uns zu Haus gewaschen, hat unten etwa 50 cm Wasser gezogen vom feuchten Boden. Sah schlimm aus. Vorhang war um 14 Uhr zugezogen, als ich kam. Es war aber die Türzum Lüften schräg gestellt. Das war gut. Auf dem Zimmertisch lag eine gebrauchte Windel. Habe sie in Mülleimer geworfen. Ca. 1,50 m Abstand vom Tisch. Schlafanzug lag auf Couch. Ob das seiner war, bezweifle ich. Kenne diesen Stoff nicht. Schublade mit seinen vielen Unterhosen war ziemlich leer. Scheint viel Verbrauch zu haben. Schublade mit Bettwäsche war auch ziemlich leer – vermutlich noch in Wäsche. Nach Rückkehr immer noch sehr wackelig. Kippte in einem unbeobachteten Moment einfach um, als ich eine Zeitschaltuhr für den Stern einsteckte.

Außerdem: Benötige dringend einen Schlüssel. Werde immer deutlich aufgefordert, dieses blöde Tor zu schließen, was ich sowieso mache (ich weiß, in welchem Job ich arbeite und komm mir dabei ziemlich blöd vor, das immer zu hören). Törchen schließt aber nicht, man kann nicht mit leichtem Druck zu machen. Habe das heute mit Ellbogen machen müssen, weil ich unseren Vater auf dem Rollator sitzen hatte und kaum halten konnte. Wurde dann wirklich angemacht, dass ich das kaputt gemacht hätte. Nachher wurde mir dann gesagt, dass schon gestern der Hausmeister beauftragt war, das Schloss zu reparieren. Fazit: Wenn ich einen ordentlichen Schlüssel habe, kann ich auch mit Schlüssel Tor auf und zu machen, sonst warte ich mit Besuch, bis ich einen habe. War sehr verärgert.

Soviel zum 3. Advent.

Pardon – doch was Positives. Er hat von unseren selbst gemachten Keksen je eins probiert und die Zeit bei uns wohl auch genossen. Hatte jedenfalls ein Tränchen, das die Wange runter lief. Schade, dass ich am nächsten Sonntag dienstverpflichtet bin. Die Atheisten haben leider alle keinen Sinn für Weihnachten…. “ Besuch des Gottesdienste – mein Vater würde es gerne. Kirche hatte aber zu, als ich ihn besuchte. Wie immer natürlich am Samstag. Und in der Woche komme ich nicht in die andere Ecke der Stadt – nach 5, wenn ich telefonieren könnte – ist keiner erreichbar…. 200 m von der Wohngruppe sind es bis zur Kirche – dass da keiner drauf kommt, wo er doch das riesige Kreuz in seinem Zimmer hängen haben will…. – ich gebs auf. Und meine Kirche ist nicht da, wo ich arbeite. Pech gehabt.

Antworten

Bericht schreiben.
Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 13. Dezember 2010 –
Aha, da schreibst Du also an den Betreuer alias Bruder so einen
Bericht. Das kommt mir sinnvoll vor, dann sind die Eindrücke
festgehalten.
„Hilfe hätte ich gebrauchen können – die Damen und Herren, die mir
entgegen kamen, sahen das aber wohl nicht….“ Da nehme ich vor, in so
einer Situation den Mund aufzumachen und um Hilfe zu bitten. Danke für
den Impuls. Dir eine gute Woche!

Antworten
Verfasst von baksb am 13. Dezember 2010 –

Der Bericht sollte so sein, da er dann an die zuständigen Leute gehen kann – und ich reg mich nicht mehr so auf und muss es nicht selber regeln.

Was die Hilfe betrifft – hab schon deutlich um Hilfe gebeten und hätte nur jemand gebraucht, er mal kurz die Vorhänge hält, damit ich die Hände frei hab…. Naja, ich bin eben ziemlich beladen gewesen.<

Antworten

HilfsbereitschaftV
erfasst von Kathy_Valiant (ki) am 16. Dezember 2010 – „ich reg mich nicht mehr so auf und muss es nicht selber regeln“ das finde ich so gut an dem Bericht!! Das ist schlimm, dass Leute nicht mal eben helfen. Oft werden Katastrophen oder Mangelsituationen im Nachhinein positiv gesehen, weil dann jeder jedem geholfen hat, so gut es ging. Zum Beispiel bei der Versorgungslage in der DDR oder auch jetzt im Schnee. Angesichts der weißen Massen auf den Straßen bleiben Autos stecken, und so langsam hat es sich eingependelt, dass dann mit anschiebt, wer gerade vorbei kommt.
Tja, was macht man, damit mehr geholfen wird?

Antworten

  1. Advent
    Verfasst von baksb am 19. Dezember 2010 –
    Schon wieder ist es eine Woche her, dass mein Vater bei uns zu Hause war.
    Gestern – nach meiner Arbeit, die leider auch das Wochenende nichtschont – fuhr ich hin. Man wechselte gerade die Bettwäsche, das Zimmer war gelüftet und roch frisch. Meinem Vater ging es erheblich besser als letzte Woche. Und das Erstaunliche: Er konnte sich an die letzte Woche erinnern. Die Erinnerungslücke betrifft derzeit vorwiegend das Jahr 2009, als seine Frau starb. Ich spielte auf dem dort nun neu stehenden gebrauchten Klavier ein paar Weihnachtslieder – die alten Leutchen sangen mit – Tochter Zion, Ihr Kinderlein kommet, Maria durch ein Dornbusch ging, u.v.a. – Ich< kann es nicht mehr so gut wie früher – viele Jahre nicht geübt. Aber ihnen hat es Freude gemacht – und ein wenig auch mir. Wo doch immer noch keiner gefunden ist, der mal die 200 m sonntags mit meinem Vater zu „seiner“ Kirche geht. Nun ist der vierte Advent. Draußen liegt tiefer Schnee.

Antworten … da haben die Dornen Rosen getragen … Kyrie eleiseon …
Verfasst von Kathy_Valiant (ki) am 23. Dezember 2010 – Mir hätte es auch Freude gemacht. Dass Du das kannst und tust, Dich ans Klavier zu setzen, auch wenn Du viele Jahre nicht geübt hast! Das mit dem Gottesdienst ist ein noch ungelöstes Problem. Vielleicht könnt Ihr an irgendwelchen der kommenden Feiertage, zum Beispiel Silvester, gemeinsam hingehen.

Antworten
Weihnachten ohne Gottesdienst.
Verfasst von spero (km) am 23. Dezember 2010 –
Es werden die ersten Weihnachten ohne Gottesdienst sein. Seit Wochen komme ich nicht raus – Kein Weihnachtsmarkt kein Weihnachtsbummel, keine Rorate und keine Messe. Weihnachten findet woanders statt. Wir sind eingeschneit.

Teresa ,Suscipe me domine…Obl.OSB

Antworten
Ohne Gottesdienst…
Verfasst von baksb am 23. Dezember 2010 –
… Ich gehöre ja zu denen, die geistig immer im Gottesdienst zu sein versuchen. Die katholische Heilige Messe, das orthodoxe heilige Amt, der evangelische Gottesdienst – die Treffpunkte am Sonntag— mir fehlen die das ganze Jahr. Aber meinen täglichen Gottesdienst ohne Gesang, aber mit dem Klang der Engel, die mit Zimbeln und Trommeln gegen den Sturm des Meeres ankämpfen, den habe ich. Leider stets ohne Pfarrer. Allein gestellt auf den Geist, der mir doch hoffentlich oft genug die Richtung weist. Seit Jahrzehnten sind wir wegen der Kinder und dann wegen des Enkels und zwischendurch wegen des Berufs meiner Frau in Kinder- und Familiengottesdiensten. Die sind wie sie sind – und letztlich sind sie schön; aber unruhig. Und ich möchte mal wieder aus dem Vollen schöpfen beim HÖren, beim Mitsingen, bei der Predigt, beim anschließenden Nachgespräch. Nur – wir frühstücken dann gerade, der einzige Tag der Woche ohne den alltäglichen „Gottesdienst“. Als langjähriger ehemaliger katholischer Klosterschüler fehlen mir seit vielen Jahren die festlichen Hochämter, der Gesang des großen Chores, das Brausen der König-Orgel in Steinfeld, die farbenprächtigen Gewänder, die großen Einzüge der Ministranten, der Duft des Weihrauches… alles Äußerlichkeiten, die in evangelischen Kirchen verpönt sind. Man kann hoffen, dass der geneigte Leser das bis hierhin überhaupt durchhält, dass ich das gut finde und trotzdem evangelisch< bin – oder bin ich doch katholisch? Aber warum fühlte ich mich damals so einsam in meiner Kirche, die mein Leben nicht mochte?! Und warum ist es so kirchlich einsam in meiner so trockenen evangelischen Kirche, die sich so schwer tut mit einem kraftvollen Kreuzzeichen, die nie das „ite missa est“ – So geht hin und sendet den Frieden aus – am Schluss mit Orgelklang hinaus tragen will, weil es nicht reformatorisch ist… oder was weiß ich, warum nicht. So möchte ich Dir, liebe spero, sagen, dass doch dein Alltag, dein Gesundheitszustand, die Sorgen oder die Haltung dazu ein einziger Gottesdienst sind. Weihnachten damals in der Grotte in Bethlehem – wo die Hirten Unterschlupf vor Regen oder Hitze, vor Kälte oder vor den Unbilden der Natur finden, Geborgenheit für das kleine Baby, das auf so unorthodoxe Weise zur Welt kam und so verheißungsvoll aufgenommen wurde – bis heute von den kleinen HIrten, den Machtlosen, den Hilflosen, den Hoffnungsvollen, den Eingeschneiten – es ist doch da, „seht ihr es nicht?!“. Ich wünsche allen Lesern dieser Zeilen ein schönes Weihnachten – verbunden mit all denen, die in Grotten und an Krippen stehen, weitab von den Gelagen derer, die einen Platz haben. Hier ein schönes Lied dazu – ein Lied an die Mutter Jesu. immer sie schwanger wurde – es interessiert mich nicht. interessiert, dass sie das Kind Jesus liebt. Und sonst wäre daraus möglicherweise nicht der geworden, der er heute für uns ist. AVE – gesungen von Aznavour, mit Bildern der Welt

Antworten
Danke
Verfasst von Coriander am 23. Dezember 2010 –

Danke.

Coriander
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